Story of LinuxTag
Die Geschichte des LinuxTages
von Michael Kleinhenz, aus dem Jahr 1998
Dutzende von Menschen drängten sich dieses Jahr am Informationsstand, um die letzten Plüsch-Pinguine oder ein Exemplar der Tagungs-CD zu ergattern. Kurz zuvor wurden 500 Zuhörer in den Hörsälen gezählt, die gespannt den Vorträgen beiwohnten. Nun war es allen Beteiligten klar: der LinuxTag 1998 würde ein großer Erfolg werden. Am Ende besuchten rund 1500 Personen die Veranstaltung in Kaiserslautern.
Aber wie sahen die Anfänge dieser Erfolgsstory aus?
Versetzen wir uns zurück ins Jahr 1995. Im November kam innerhalb der Projektgruppe Linux die Idee auf, eine Linux-Veranstaltung durchzuführen. Vorbild war der Linux-Kongreß, jedoch sollte die zu diesem Zeitpunkt noch namenlose Veranstaltung sich an Studenten richten und ihnen die Vorteile von Linux im Ausbildungsbereich nahebringen.
Die Planungen sahen einen Termin Anfang 1996 vor. Niemand von uns hatte bisher Erfahrungen im Organisieren einer solchen Veranstaltung sammeln können.
Drei Monate später, am 20. Januar 1996, fand unter dem Titel “Linux in Ausbildung und Studium” der erste LinuxTag statt. 70 Besucher waren bei den fünf Vorträgen und der kleinen Ausstellung im Foyer des Gebäudes 42 anwesend. Die Referenten boten hier wie geplant vorrangig Themen an, die im Studienalltag relevant waren: Mathematikprogramme, das LaTeX-Paket und Entwicklungsumgebungen.
Nach einer Ruhepause begannen im September 1996 die Planungen zur zweiten Veranstaltung, die wiederum Anfang 1997 stattfinden sollte. Diesmal sollte die Werbetrommel stärker gerührt werden, und es sollten auch Themen angesprochen werden, die außerhalb der Interessen des rein wissenschaftlich an Linux interessierten Anwenders liegen.
Zu diesem Zweck war es auch nötig, einen eindeutigen und werbeträchtigen Namen für unser “Baby” zu finden. Nach einiger Diskussion entschied sich die Projektgruppe Linux für “LinuxTag”.
Anfang 1997, genauer am 18. Januar, fand der LinuxTag ‘97 statt. Wie erwartet wurde diesmal alles etwas größer. Mehr Vorträge, auch zu allgemeinen Linux-Themen wie z.B. Netzwerke, eine größere Ausstellung, bei der alle Themen der Vorträge noch einmal aufgegriffen wurden und zum ersten mal auch praktisch demonstriert.
Leider meinte es das Wetter an diesem Tag nicht besonders gut mit uns: Glatteis und Schnee legten das Bus- und Straßennetz von Kaiserslautern lahm. Dennoch sind an die 150 unbeirrbare Linux-Fans an diesem Tag erschienen. Echte Pinguin-Fans kann eben nichts so einfach aufhalten.
Trotz der Verdopplung der Besucherzahl entschieden wir uns, den nächsten LinuxTag in den Sommer zu legen, um solchen Wetterproblemen weitgehend aus dem Weg zu gehen. Wir hatten also zwei Alternativen: Sollte der LinuxTag einmal aussetzen, um im Sommer ‘98 wieder stattzufinden, oder sollte es 1997 zwei Veranstaltungen geben?
Wir entschieden uns für das letztere Modell, und so begannen die Vorbereitungen für den LinuxTag ‘97/2 ca. zwei Monate später im März.
Neu dazu kam ein zweiter Tag, der mit Tutorials gefüllt wurde. Zusätzlich wurde zum ersten Mal eine Tagungs-CD-ROM mit Unterlagen zu den einzelnen Vorträgen und einer Linux-Distribution angefertigt. Ein Großteil der Auflage von 1000 Stück wurde bereits am LinuxTag verkauft . Die einsetzende Mundpropaganda und die (immerhin schon) regionale Werbung taten ein übriges dazu, daß am 14. und 15. Juni insgesamt knapp 400 Besucher der Vorträge und 70 Teilnehmer der Tutorials gezählt wurden. Auch das Wetter war diesmal besser. Jedenfalls gab es weder Eis noch Schnee…
Der letzte LinuxTag, dessen Tagungsunterlagen in diesem Heft zu finden sind, fand am 27. und 28. Juni 1998 statt. Unser Ziel war es für 1998, auch externe Aussteller und Referenten gewinnen zu können. Deswegen mußte mit den Planungen bereits im Januar begonnen werden, damit auf Messen wie der CeBIT erste Gespräche geführt werden konnten. Diese verliefen sehr positiv, und so konnte schon kurz nach der CeBIT die Firma S.u.S.E. als erster Aussteller gewonnen werden. Weitere Firmen wie Caldera, Delix oder PIOS folgten. Neben den Firmen legten wir aber auch großen Wert auf die Präsenz von nichtkommerziellen Ständen, wie z.B. dem KDE Projekt.
Das Vortragsprogramm füllte dieses Jahr beide Veranstaltungstage aus und umfaßte insgesamt 19 Vorträge. Es konnten zum ersten Mal externe Referenten gewonnen werden wie z.B. Mathias Hölzer vom KDE-Projekt oder Lars Eilebrecht, der spezielle Fähigkeiten des Apache-Webservers vorstellte. Mangels Manpower konnten jedoch die im Vorjahr durchaus erfolgreichen Tutorials nicht mehr angeboten werden. Knapp die Hälfte aller Tagungs-CD-ROMs, die diesmal in einer Gesamtauflage von 2000 Exemplaren hergestellt worden sind, wurden am ersten Tag verkauft. In Zusammenarbeit mit der Fachbuchhandlung J.F. Lehmanns kann die CD-ROM auch nach dem LinuxTag per Versand bezogen werden.
Es ist klar, daß eine Veranstaltung diesen Ausmaßes nur mit großem Einsatz aller Beteiligten möglich ist. Bereits in der Planungsphase kam es innerhalb der Organisationsgruppen zu heftigen Diskussionen. Viele Mitglieder der Unix-AG legten im Vorfeld der Veranstaltung “Nachtschichten” ein, etwa für die termingerechte Fertigstellung der Tagungs-CDROM oder die Ausarbeitung der technischen Details. Am Ende waren am LinuxTag ‘98 mehr Helfer und Vortragende beteiligt als der erste LinuxTag Gäste hatte.
Bereits am LinuxTag ‘97/2 konnten wir mehr Besucher verzeichnen als jede andere Linux-Veranstaltung in Deutschland. 1998 konnten wir diesen Rekord wieder für uns in Anspruch nehmen. Diesen Trend wollen wir natürlich auch 1999 wieder fortsetzen.
Die Projektgruppe Linux ist ein Teil der Unix-AG, einer studentischen Arbeitsgruppe an der Universität Kaiserslautern, die sich mit allen Arten der modernen Rechnernutzung beschäftigt, insbesondere Netzwerktechnologie und Unix.
Die PG Linux befaßt sich mit dem freien Betriebssystem Linux, dessen Anwendung und Programmierung. Sie betreibt dazu mehrere Linuxrechner auf Basis der DEC-Alpha, Sparc und Intel-Plattform.
