Archive for Mai, 2005

Mein Ausflug ins Pulp

Sonntag, Mai 29th, 2005

Pulp, das ist laut Wikipedia zuerst mal eine “Masse aus Fruchtfasern”, die auf dem Weg zur Konfitüreherstellung anfällt. Dass man aus Heftchenromanen wie Sternenfaust oder Mission Mars Fruchtgelee herstellen kann, scheint mir allerdings zumindest zweifelshaft. Aber auch auf der literarischen Seite (ich schäme mich schon, in einem Artikel über diese Art Romane überhaupt dieses Wort in den Mund bzw. die Tastatur zu nehmen) findet man dort hauptsächlich Ungenießbares.

SternenfaustNachdem ich schon länger mehr oder weniger intensiv aber gelegentlich (auch das geht) Perry Rhodan lese, bin ich eigentlich von einer gewissen Mindestqualität bei den wenigseitigen Heftchen ausgegangen. Da in letzter Zeit die Sci-Fi-Serien in diesem Bereich nur so aus dem Boden sprießen, und ich nicht wirklich Lust auf Weltkriegsgeschichten a la “Lanzer” habe, bin ich kurz vor einer 4,5-Stunden-Reise in der zweiten Bahnklasse schwach geworden und habe ein Euro fünfzig für Exemplar Nummer 6 der Serie “Sternenfaust” ausgegeben.

Kommen wir zunächst zur guten Seite des Ganzen: das Heft passt prima in die kleinste Tasche, denn es lässt sich winzig zusammenrollen oder -falten. Das wars aber auch schon mit den tollen Dingen an dem Ding. Der Roman selbst ist hüstel grausig - und zwar nicht wegen eines etwaig gorigen Inhalts. Berichte oder Inhaltsangaben über die Story lasse ich an dieser Stelle weg, es ist einfach wert- und sinnlos, etwas darüber zu schreiben. Der Text von “Christian Schwarz” (an alle Lektoren der Republik: nehmt diesen Namen in eure schwarze Liste auf!) wirkt wie der Aufsatz eines Neuntklässlers, der sich als Möchtegen-Schriftsteller betätigt. Lieber Bastei-Verlag: Kinderarbeit ist hierzulande verboten! Oder (und das könnte man anhand der Story fast glauben) werden diese Romane in Indien auf der Straße “erzeugt”, so wie die WM-Fußbälle? Ich habe noch nie erlebt, dass sich auf knapp 60 Seiten so viele Plattheiten, Stilblüten, Handlungslöcher, Klischees, Vertipper, und Dialoggrausamkeiten vereinigt haben. Wenn ich es recht überdenke könnte das alles ganz anders gemeint sein: als Gesamtkunstwerk des Trivialen… Ja genau, “Christian Schwarz” ist der Joseph Beuys der modernen Literatur. Bastei, ihr habt da ein verkanntes Genie! Ich nehme alles zurück!

Mission MarsNachdem ich mich ständig irre lachend am Rande des intellektuellen Wahnsinns durch “Sternenfaust” gekämpft hatte, habe ich zu bewährter Kost gegriffen: Wolfgang Hohlbeins “Mission Mars”, das dieser Tage als zwölfbändige Heftromanserie gestartet ist. Zwar ist hier die schriftstellerische Qualität durchaus vorhanden und auf Hohlbein-üblichem Niveau, aber die Story ist zumindest im ersten Band ebenfalls etwas platt. Außerdem merkt man Hohlbein seine Routine deutlich an: wahrscheinlich hat er nicht mehr als zwei bis drei Tage an dem Heft geschrieben. Ich fand aber auch schon immer, dass Hohlbein deutlich besser ist, wenn er sich kurz fassen muss — unvergessen die Hexer-Abenteuer, die richtig schlecht wurden, als sie das Heftroman-Format verließen und auf 400-Seiten-Schinken zusteuerten. Trotzdem: tausendfach gesehene, seelenlose Fabrikware.

Nun gut. Was nehmen wir nun aus diesen Experimenten mit? Ein völlig indisktables Machwerk und eine vorm Frühstück runtergeratterte Massenware…ich denke ich lasse das demnächst mit dem Experimentieren, man will sich seinen mühsam angesammelten, bescheidenen Intellekt ja nicht unnötig ruinieren. Ein guter Eschbach passt zwar nicht in die Jackentasche, hat aber auch nicht-physikalisch das richtige Format.

Ach, ja, im Moment lese ich “Der Letzte seiner Art”.

Quo Vadis, Novell?

Sonntag, Mai 29th, 2005

NovellNachdem nun Novell mit Richard Seibt den ex-SuSE-CEO gefeu^h^h^h^hverloren hat, muss man sich fragen, wie sich Novell in der Zukunft technisch und politisch entwickeln wird. Nachdem man mit Nat Friedman einen ex-Ximian-Mann zum “Vice President of Linux Desktop Engineering” gemacht hat, kann man sich schon ausmalen, dass der zentrale Desktop für zukünftige Produkte aus dem Hause Novell sicherlich nicht KDE heißen wird. Die Verpflichtung von Miguel de Icaza, dessen merkwürdig-vehementes Eintreten für Dotnet und seine wunderlichen Meinungen über objektorientierte Softwareentwicklung schon früher zu Irritationen geführt haben, tut sein übriges.

Dass Gnome technisch hinterhinkt ist dabei völlig egal, KDE ist eben “not invented in god’s own country”. Nun gut, die Akzeptanz zumindest in Europa wird darunter zu leiden haben. Allerdings ist der europäische Markt für Novell sowieso scheinbar irrelevant. Anders lässt sich beispielsweise die komplette Ignoranz der immerhin wichtigsten Linux-Messe Europas, dem LinuxTag in Karlsruhe, nicht erklären. Novell ist in diesem Jahr dort nur mit einem winzigen Stand vertreten - die Firma, die von sich selbst behauptet “the market’s largest Linux vendor” zu sein. Peinlich.

Habemus Fedcon XIV

Sonntag, Mai 8th, 2005

Gestern war Con-Time. In Bonn fand der 14. Federation Con statt und ich war dabei. Um halb 10 sind Nico und ich im Maritim-Hotel angekommen und zahlten happige 49,- Euro für eine Tageskarte. Mein Fazit vorab: ich dachte, dass es nicht schrägeres gibt, als den rheinischen Karneval (ja, das war damals, als mir in der U-Bahn nacheinander Dschingis-Khan, Charlie Chaplin, Alf und die Biene Maja begegnet sind). Aber es gibt schrägeres: eine Star Trek Convention.

Das Hotel, in dem die Fedcon stattfindet, ist riesig: alleine die Lobby ist sicherlich 150 Meter lang, verfügt über mehrere Restaurants und große Konferenzräume. Der größte Raum fasst mit der Empore mit Sicherheit mehr als 2000 Personen. Dazu kommen noch ein kleinerer Raum mit etwa 300 Plätzen, zwei Räume für ca. 100 Personen und 5-6 Räume in Seminarraumgröße.

Direkt nach dem Passieren des Eingangs und dem Vorzeigen des Fedcon-Armbändchens (nicht entfernbar) in apartem Signalpink, landet man auf dem kommerziellen Boden des Fandoms: im vorderen Foyerbereich und den angeschlossenen zwei Händerräumen konnte man alles kaufen, was der Trekkie so braucht, z.B. Uniformen und Rangabzeichen:

Uniformen

Socken:

Socken

Star-Trek-Pflaster für den verwundeten Starfleet-Offizier:

Pflaster

oder Star-Trek-Weihnachtsschmuck..denn echte Männer haben einen romulanischen Warbird vom Baum baumeln statt schnöder bunter Kugeln:

Warbirds am Baum

Ist man an den Händlern vorbei, stolperte man quasi auf dem Stand von Paramount Pictures, der die DVD-Boxen von Enterprise und Charmed präsentierte. Letztere von einem Imitat-Trio der drei Schwestern (merke: nächstes Mal Teleobjektiv besorgen). Gelegentlich konnte man dort auch Predatoren, Cylonen, Stormtroopern und Robocop begegnen, die im wesentlichen als Fotomotiv herhalten mussten.

Allerdings fühlte man sich gelegentlich sowieso wie auf Magrathea: dort kam grade Chewbacca vom Klo, hier schob sich Prinzessin Leia ‘nen Müsliriegel zwischen die Zähne und da drüben fragte Darth Vader nach dem Weg zum Ausgang. Sehr SEHR schräg. Viel schräger waren aber noch die richtig fanatischen Fans: wer sich als ca. 60-jährige in einen ultrakurzen TOS-Uniform-Minirock quetscht oder irre grinsend grade 180 Euro für ein Autogramm von DeForest Kelley ausgegeben hat, der erscheint mir nur begrenzt zurechnungsfähig. Freakig waren auch Leute, die voll in ihrer Rolle aufgehen, in Föderationsuniform neben einem sitzen und etwas von “these bloody Klingons” murmeln, als grade eine Horde laut singender und saufender Klingonen in voller Kampfmontur in den Saal poltern.

Trotzdem (oder gerade deswegen?) herrschte eine völlig entspannte Community-Atmosphäre, die sehr stark mit der des LinuxTags zu vergleichen ist, allerdings deutlich unformaler und noch einen Ticken entspannte. Schlipsträger suchte man vergeblich und die einzigen, die wirklich gestresst aussahen, waren die Hotelmitarbeiter, die aber scheinbar teilweise bereits kapituliert hatten.

Um 10 fing dann im Hauptraum das erste Panel an, bei dem ein NASA-Astronaut über seine Trips mit dem Space Shuttle sprechen sollte. Alle Panels dauerten 45 Minuten und wir haben eigentlich dieses nur besucht um für den nachfolgenden Slot von Dominic Keating und Jolene Blalock gute Plätze zu haben. Als Tageskartenbesitzer konnte man nur auf die Empore, von der man aber wirklich gut gesehen hat, sicherlich besser, als von Reihe 247 im Erdgeschoss. Fürs Fotographieren braucht man aber ein Teleobjektiv, sonst bekommt man nur Überblicksbilder, was man auch an meinen Fotos sieht. Was der Astronaut dann so erzählte, war ziemlich schwach. Er zeigte einen Film mit Shuttle-Starts, wie man sie schon tausendfach gesehen hat und gab an, dass ihn das alles so tief berührt hat…man hatte das Gefühl, gleich holt er eine US-Flagge raus und winkt damit. Ziemlich peinlich, zumal es auch anders geht: in der Uni-KL habe ich vor Jahren mal einen Vortrag von Reinhold Furrer gehört, der als ESA-Astronaut auf der Mir war. DAS war ein interessanter Vortrag, auch mit Videomaterial, allerdings von Dingen, die man eben nicht in den Nachrichten sieht.

Nachdem der Kerl endlich von der Bühne geschoben wurde, kam Marc B. Lee als Moderator und kündigte Dominic Keating aus Enterprise an. Der sprang förmlich aus dem Autritts-Stargate und dotzte in den nächsten 20 Minuten auf der Bühne herum, sang eine alternative Version des Enterprise Titellieds (”..I’ve got Tits and Ass, just like Jolene Blalock does..”) und machte Witze über seine Kollegen. Das Zotengereisse ging erst zu Ende, als Jolene Blalock, ebenfalls aus Enterprise, auf die Bühne kam. Dann erzählten beide ein wenig über die Dreharbeiten und die Absetzung von Enterprise. Scheinbar gab es eine Investorengruppe, die Paramount 70 Millionen Dollar nur für die Auslandsrechte für zwei weitere Staffeln geboten haben soll. Paramount lehnte das Angebot aber ab. Keating vermutet daher eine politische Entscheidung.

Ich verliess das Panel 5 Minuten vor dem Ende, weil ich zur Fotosession mit Stephen ‘Vir’ Furst aus Babylon 5 wollte. Er begrüsste jeden mit Handschlag und wechselte ein paar Worte. Stephen Furst ist Vir in Person, wie ich auch auf dem späteren Panel feststellte: die leicht gebückte Haltung, das wilde Gestikulieren mit den ausladenden Handbewegungen…Vir wie wir ihn kennen.

Nach der Mittagspause war dann die schon erwähnte Auktion dran. Richard Arnold, Convention-Inventar und ehemaliger persönlicher Assistent von His Royal Highness, Gene ‘The Great Bird of the Galaxy’ Roddenberry versteigerte Dinge aus seinem Archiv und andere Sachen für einen wohltätigen Zweck. Es ist unglaublich, was Leute für Autogramme ausgeben: 200 Euro sind keine Seltenheit. Trotzdem war die Versteigerung witzig, weil Richard Arnold ein guter Entertainer ist und nebenbei auch Anekdoten aus der Star Trek Welt zum besten gab.

Gleich danach ging es zum Panel von J.G. Hertzler und Robert O’Reilly, bekannt als die Klingonen Martok und Gowron aus diversen Trek-Serien. Ich hatte zwar schon gehört, dass die Panel von den beiden sehr gut sein sollen, aber ich war auch noch nie ein richtiger Fan der Klingonen und des Mythos drumrum. Was die beiden allerdings auf der Bühne abgezogen haben, war einfach unglaublich und hat alle anderen Panels an dem Tag in den Schatten gestellt. Von Sketchen über Anekdoten bis zu Gesangseinlagen war alles dabei und immer mit perfektem Showmanship aber trotzdem nah am Publikum. Wer irgendwie die Chance hat, sich die beiden irgendwo mal anzuschauen, der sollte es tun - auch nicht-Star Trek Fans!

Nach diesem Panel war erst mal eine längere Pause angesagt, weil im Hauptraum die Autogrammsession für Dauerkarteninhaber lief. Ich sage nur: eine Schlange von vielleicht 2500 Leuten, die sich durch das gesamte Gebäude gezogen hat. Um diese Autogramme hat sich ein richtiger Markt gebildet: ein Autogramm wird scheinbar nicht mehr als Andenken gesehen, sondern als Investition zum weiterverkaufen oder -tauschen. Das zeigte sich auch daran, dass eine Signatur von einem Schauspieler satte 20 Euro kostete, ein Bild mit ihm oder ihr zusammen aber sehr viel weniger oder sogar umsonst zu haben war.

Generell läuft das bei Conventions scheinbar so, dass die Gäste nur die Anreise und die Übernachtung gezahlt bekommen, aber keine Gage. Ausnahmen gibt es wohl nur für Superstars wie Brent Spiner oder Leonard Nimoy. Die Anderen machen ihr Plus dann damit, dass sie Autogramme verkaufen. Deswegen saßen auch viele Gäste fast den ganzen Tag in der ständigen Autogrammstunde. Die war mäßig besucht und bot damit eine ideale Möglichkeit, ein paar Fotos zu schießen und mal wirklich nah an die Leute ranzukommen.

Glory und ichGegen 17 Uhr machte ich dann noch ein Foto mit Clare Kramer alias Glory aus Buffy. Clare Kramer sieht im echten Leben noch viel besser aus, als in der Serie.

Richtig, richtig schräg wurde es dann um 18:30 beim Kostümwettbewerb. Spätestens als die “Happy-Hippo Star-Wars-Truppe” aufgetreten ist, wurde mir einiges im Trek-Fandom klar. Die gewannen dann auch später den “Robert-O’Reilly-Entertainment-Award”, obwohl ich bezweifle, dass er wirklich verstanden hat, was ein Überraschungsei ist.

Gleich anschließend zeigte Action Concept (ja, das sind die von Cobra 11) eine Stunt-Show, die zwar technisch wirklich eindrucksvoll war, thematisch mit “Mortal Kombat” aber total das Ziel verfehlt hat. Obwohl die Show “seit Oktober speziell für die Fedcon vorbereitet” wurde, kam wohl niemand auf die Idee, vielleicht etwas Sci-Fi-nahes zu realisieren, zum Beispiel einen coolen Laserschwertkampf. Aber naja, was soll man von denen erwarten, das ist wie Cobra 11 et al: Technik hui, Story pfui.

Schon während der Stuntshow füllte sich der Raum bis auf den letzten Platz, weil danach Leonard Nimoy alias Spock dran war. Als der auftrat gab es erst mal minutenlange Standing-Ovations. Den gelungenen Start zerstörte Nimoy allerdings schon nach kurzem, in dem er ein merklich einstudiertes Con-Programm abspulte und schon Sekunden nach den Ovations von getoasteten Muffins sprach. Da hätte ich von einem altgedienten Schlachtross mehr erwartet. Egal: es ist Spock, das reicht.

Allerdings musste ich schon nach 15 Minuten wieder los, weil ich unbedingt das Panel von Stephen Furst besuchen wollte. Dort waren dann weniger als 10 Leute, was ein wirkliches Plus war. Furst erzählte einige Stories von den Dreharbeiten, zeigte einen kurzen Trailer seiner Regieprojekte und beantwortete Fragen. Er sagte auch etwas zum Platzen des geplanten B5-Kinofilms. Scheinbar wollte das Studio, dass alle Hauptpersonen neu besetzt werden sollten, worauf sich JMS weigerte und das ganze Projekt platzen lies. Ist wohl auch besser so, wer will schon einen anderen Londo sehen??

Nach dem Panel war es dann schon 21:30 und ich habe mich auf meinen Sandspeeder geschwungen und bin nach Hause geflogen. Die Con war wirklich sehr witzig und ich werde versuchen im nächsten Jahr wieder da zu sein. Leider zieht die Fedcon in 2006 nach Fulda um, was für mich als Neu-Bonner natürlich ziemlich doof ist, gerade weil die Con jetzt fast 10 Jahre in Bonn war, aber irgendwie wird das schon klappen.

Ach ja, hier sind meine Fotos vom Fedcon XIV zu finden (ca. 150 Stück).

Ikea

Sonntag, Mai 1st, 2005

Am Samstag war ich im Ikea, um meine Wohnungseinrichtung zu vervollständigen, weil ist halt doof so ohne Gläser. Dabei waren Christel und Flo, und hier gibts ein paar Bilder. Mmmmh..Schwedenkekse..