Fundstück der Woche
Heute war ich auf einem Workshop des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, wo ich einen Vortrag zum Thema Kopierschutz und DRM-Systeme gehalten habe. Während des Workshops wurden nebenstehende CD-Rs verteilt (großes Bild). Darauf ist zu lesen
Du darfst auf mich [...] auch fremde Werke brennen [...], wenn es nicht kopiergeschützt ist [...und...] Du nicht vorhast mich danach zu verschenken, [...] oder mich gegen eine andere CD zu tauschen [...].
Als ich die versammelte Anwaltschaft darauf ansprach, dass das eine falsche Darstellung ist, bekam ich eine entrüstete Reaktion an den Kopf geworfen, dass das alles “genau abgeklärt sei”. Als ich nochmal nachfragte, wurde es erklärt: brennt man eine CD mit der Absicht, sie weiterzugeben, so ist das tatsächlich verboten. Brennt man aber eine CD auf Anfrage z.B. eines Freundes, dann darf man die Kopie weitergeben! Nitpicker dieser Welt, erhebt euch!
Aus meiner Sicht ist das FUD in seiner reinsten Form. Dass “normale” Menschen diese Formulierung ganz anders verstehen könnten wird entweder nicht wahrgenommen oder ist einkalkuliert.





3. Februar 2006 um 14:15
Was ist, wenn ich meiner Freundin zu unserem Jahrestag (was ein blödes Wort…) eine CD mit für uns wichtigen Liedern schenken möchte - quasi das zeitgemäße Äquivalent zum “Mix-Tape”.
Einen Sampler, auf dem sich genau die Songs in meiner bestimmten Reihenfolge befinden, gibt es nicht, nirgends, keine Chance.
Erstellen darf ich diese Mix-CD, solange die ‘Vorlagen’ nicht ‘kopiergeschützt’ sind - was u.U. schonmal ein echtes Hindernis sein kann.
Das Dreisteste wäre aber den Aussagen dieser “Aufklärungs-CD” nach, daß ich diesen von mir mit von mir erworbenen Vorlagen erstellten Sampler dann nicht verschenken darf. Man beachte - *verschenken*. Es gibt keinerlei monetären Absichten. Es geht - in diesem Beispiel - um die Beziehung von Menschen zueinander, anderen eine Freude zu machen.
Das wäre nur ein weiteres Beispiel wie seit Jahrzehnten übliche, niemandem Schaden zufügende Praktiken auf einmal für illegal erklärt werden sollen - und wie in diesem Fall, um es mal neutral zu formulieren, wichtige soziale Handlungen untergraben.
4. Februar 2006 um 16:52
[...] Die Arbeitsgruppe Piraterie des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels hat eine CD gemacht. Diese Kampagne gegen Piraterie weist laut Quendor, der dieses Fundstück aufgespürt hat, Merkmale dees FUD (Fear, Uncertainty and Doubt) auf, übrigens ein Begriff, den ich bisher her nicht kannte und der im Deutschen mit “Schmutzkampagne” ganz treffend wiedergegeben werden kann. Trackback: http://blog.literaturwelt.de/archiv/aktion-gegen-piraterie/trackback/ [...]
6. Februar 2006 um 12:49
Glücklicherweise ist es weiß auf schwarz, wie diese Selbst-Mal-Preisschilder im Supermarkt.
Da kann jeder den Aufdruck auf die wahre Rechtslage korrigieren.
;-)
Ich behaupte mal, es ist ein Rätsel.
Und wer die richtig bemalte CD einschickt, gewinnt einen Preis.