Mein Ausflug ins Pulp
Pulp, das ist laut Wikipedia zuerst mal eine “Masse aus Fruchtfasern”, die auf dem Weg zur Konfitüreherstellung anfällt. Dass man aus Heftchenromanen wie Sternenfaust oder Mission Mars Fruchtgelee herstellen kann, scheint mir allerdings zumindest zweifelshaft. Aber auch auf der literarischen Seite (ich schäme mich schon, in einem Artikel über diese Art Romane überhaupt dieses Wort in den Mund bzw. die Tastatur zu nehmen) findet man dort hauptsächlich Ungenießbares.
Nachdem ich schon länger mehr oder weniger intensiv aber gelegentlich (auch das geht) Perry Rhodan lese, bin ich eigentlich von einer gewissen Mindestqualität bei den wenigseitigen Heftchen ausgegangen. Da in letzter Zeit die Sci-Fi-Serien in diesem Bereich nur so aus dem Boden sprießen, und ich nicht wirklich Lust auf Weltkriegsgeschichten a la “Lanzer” habe, bin ich kurz vor einer 4,5-Stunden-Reise in der zweiten Bahnklasse schwach geworden und habe ein Euro fünfzig für Exemplar Nummer 6 der Serie “Sternenfaust” ausgegeben.
Kommen wir zunächst zur guten Seite des Ganzen: das Heft passt prima in die kleinste Tasche, denn es lässt sich winzig zusammenrollen oder -falten. Das wars aber auch schon mit den tollen Dingen an dem Ding. Der Roman selbst ist hüstel grausig - und zwar nicht wegen eines etwaig gorigen Inhalts. Berichte oder Inhaltsangaben über die Story lasse ich an dieser Stelle weg, es ist einfach wert- und sinnlos, etwas darüber zu schreiben. Der Text von “Christian Schwarz” (an alle Lektoren der Republik: nehmt diesen Namen in eure schwarze Liste auf!) wirkt wie der Aufsatz eines Neuntklässlers, der sich als Möchtegen-Schriftsteller betätigt. Lieber Bastei-Verlag: Kinderarbeit ist hierzulande verboten! Oder (und das könnte man anhand der Story fast glauben) werden diese Romane in Indien auf der Straße “erzeugt”, so wie die WM-Fußbälle? Ich habe noch nie erlebt, dass sich auf knapp 60 Seiten so viele Plattheiten, Stilblüten, Handlungslöcher, Klischees, Vertipper, und Dialoggrausamkeiten vereinigt haben. Wenn ich es recht überdenke könnte das alles ganz anders gemeint sein: als Gesamtkunstwerk des Trivialen… Ja genau, “Christian Schwarz” ist der Joseph Beuys der modernen Literatur. Bastei, ihr habt da ein verkanntes Genie! Ich nehme alles zurück!
Nachdem ich mich ständig irre lachend am Rande des intellektuellen Wahnsinns durch “Sternenfaust” gekämpft hatte, habe ich zu bewährter Kost gegriffen: Wolfgang Hohlbeins “Mission Mars”, das dieser Tage als zwölfbändige Heftromanserie gestartet ist. Zwar ist hier die schriftstellerische Qualität durchaus vorhanden und auf Hohlbein-üblichem Niveau, aber die Story ist zumindest im ersten Band ebenfalls etwas platt. Außerdem merkt man Hohlbein seine Routine deutlich an: wahrscheinlich hat er nicht mehr als zwei bis drei Tage an dem Heft geschrieben. Ich fand aber auch schon immer, dass Hohlbein deutlich besser ist, wenn er sich kurz fassen muss — unvergessen die Hexer-Abenteuer, die richtig schlecht wurden, als sie das Heftroman-Format verließen und auf 400-Seiten-Schinken zusteuerten. Trotzdem: tausendfach gesehene, seelenlose Fabrikware.
Nun gut. Was nehmen wir nun aus diesen Experimenten mit? Ein völlig indisktables Machwerk und eine vorm Frühstück runtergeratterte Massenware…ich denke ich lasse das demnächst mit dem Experimentieren, man will sich seinen mühsam angesammelten, bescheidenen Intellekt ja nicht unnötig ruinieren. Ein guter Eschbach passt zwar nicht in die Jackentasche, hat aber auch nicht-physikalisch das richtige Format.
Ach, ja, im Moment lese ich “Der Letzte seiner Art”.




