Habemus Fedcon XIV
Gestern war Con-Time. In Bonn fand der 14. Federation Con statt und ich war dabei. Um halb 10 sind Nico und ich im Maritim-Hotel angekommen und zahlten happige 49,- Euro für eine Tageskarte. Mein Fazit vorab: ich dachte, dass es nicht schrägeres gibt, als den rheinischen Karneval (ja, das war damals, als mir in der U-Bahn nacheinander Dschingis-Khan, Charlie Chaplin, Alf und die Biene Maja begegnet sind). Aber es gibt schrägeres: eine Star Trek Convention.
Das Hotel, in dem die Fedcon stattfindet, ist riesig: alleine die Lobby ist sicherlich 150 Meter lang, verfügt über mehrere Restaurants und große Konferenzräume. Der größte Raum fasst mit der Empore mit Sicherheit mehr als 2000 Personen. Dazu kommen noch ein kleinerer Raum mit etwa 300 Plätzen, zwei Räume für ca. 100 Personen und 5-6 Räume in Seminarraumgröße.
Direkt nach dem Passieren des Eingangs und dem Vorzeigen des Fedcon-Armbändchens (nicht entfernbar) in apartem Signalpink, landet man auf dem kommerziellen Boden des Fandoms: im vorderen Foyerbereich und den angeschlossenen zwei Händerräumen konnte man alles kaufen, was der Trekkie so braucht, z.B. Uniformen und Rangabzeichen:
Socken:
Star-Trek-Pflaster für den verwundeten Starfleet-Offizier:
oder Star-Trek-Weihnachtsschmuck..denn echte Männer haben einen romulanischen Warbird vom Baum baumeln statt schnöder bunter Kugeln:
Ist man an den Händlern vorbei, stolperte man quasi auf dem Stand von Paramount Pictures, der die DVD-Boxen von Enterprise und Charmed präsentierte. Letztere von einem Imitat-Trio der drei Schwestern (merke: nächstes Mal Teleobjektiv besorgen). Gelegentlich konnte man dort auch Predatoren, Cylonen, Stormtroopern und Robocop begegnen, die im wesentlichen als Fotomotiv herhalten mussten.
Allerdings fühlte man sich gelegentlich sowieso wie auf Magrathea: dort kam grade Chewbacca vom Klo, hier schob sich Prinzessin Leia ‘nen Müsliriegel zwischen die Zähne und da drüben fragte Darth Vader nach dem Weg zum Ausgang. Sehr SEHR schräg. Viel schräger waren aber noch die richtig fanatischen Fans: wer sich als ca. 60-jährige in einen ultrakurzen TOS-Uniform-Minirock quetscht oder irre grinsend grade 180 Euro für ein Autogramm von DeForest Kelley ausgegeben hat, der erscheint mir nur begrenzt zurechnungsfähig. Freakig waren auch Leute, die voll in ihrer Rolle aufgehen, in Föderationsuniform neben einem sitzen und etwas von “these bloody Klingons” murmeln, als grade eine Horde laut singender und saufender Klingonen in voller Kampfmontur in den Saal poltern.
Trotzdem (oder gerade deswegen?) herrschte eine völlig entspannte Community-Atmosphäre, die sehr stark mit der des LinuxTags zu vergleichen ist, allerdings deutlich unformaler und noch einen Ticken entspannte. Schlipsträger suchte man vergeblich und die einzigen, die wirklich gestresst aussahen, waren die Hotelmitarbeiter, die aber scheinbar teilweise bereits kapituliert hatten.
Um 10 fing dann im Hauptraum das erste Panel an, bei dem ein NASA-Astronaut über seine Trips mit dem Space Shuttle sprechen sollte. Alle Panels dauerten 45 Minuten und wir haben eigentlich dieses nur besucht um für den nachfolgenden Slot von Dominic Keating und Jolene Blalock gute Plätze zu haben. Als Tageskartenbesitzer konnte man nur auf die Empore, von der man aber wirklich gut gesehen hat, sicherlich besser, als von Reihe 247 im Erdgeschoss. Fürs Fotographieren braucht man aber ein Teleobjektiv, sonst bekommt man nur Überblicksbilder, was man auch an meinen Fotos sieht. Was der Astronaut dann so erzählte, war ziemlich schwach. Er zeigte einen Film mit Shuttle-Starts, wie man sie schon tausendfach gesehen hat und gab an, dass ihn das alles so tief berührt hat…man hatte das Gefühl, gleich holt er eine US-Flagge raus und winkt damit. Ziemlich peinlich, zumal es auch anders geht: in der Uni-KL habe ich vor Jahren mal einen Vortrag von Reinhold Furrer gehört, der als ESA-Astronaut auf der Mir war. DAS war ein interessanter Vortrag, auch mit Videomaterial, allerdings von Dingen, die man eben nicht in den Nachrichten sieht.
Nachdem der Kerl endlich von der Bühne geschoben wurde, kam Marc B. Lee als Moderator und kündigte Dominic Keating aus Enterprise an. Der sprang förmlich aus dem Autritts-Stargate und dotzte in den nächsten 20 Minuten auf der Bühne herum, sang eine alternative Version des Enterprise Titellieds (”..I’ve got Tits and Ass, just like Jolene Blalock does..”) und machte Witze über seine Kollegen. Das Zotengereisse ging erst zu Ende, als Jolene Blalock, ebenfalls aus Enterprise, auf die Bühne kam. Dann erzählten beide ein wenig über die Dreharbeiten und die Absetzung von Enterprise. Scheinbar gab es eine Investorengruppe, die Paramount 70 Millionen Dollar nur für die Auslandsrechte für zwei weitere Staffeln geboten haben soll. Paramount lehnte das Angebot aber ab. Keating vermutet daher eine politische Entscheidung.
Ich verliess das Panel 5 Minuten vor dem Ende, weil ich zur Fotosession mit Stephen ‘Vir’ Furst aus Babylon 5 wollte. Er begrüsste jeden mit Handschlag und wechselte ein paar Worte. Stephen Furst ist Vir in Person, wie ich auch auf dem späteren Panel feststellte: die leicht gebückte Haltung, das wilde Gestikulieren mit den ausladenden Handbewegungen…Vir wie wir ihn kennen.
Nach der Mittagspause war dann die schon erwähnte Auktion dran. Richard Arnold, Convention-Inventar und ehemaliger persönlicher Assistent von His Royal Highness, Gene ‘The Great Bird of the Galaxy’ Roddenberry versteigerte Dinge aus seinem Archiv und andere Sachen für einen wohltätigen Zweck. Es ist unglaublich, was Leute für Autogramme ausgeben: 200 Euro sind keine Seltenheit. Trotzdem war die Versteigerung witzig, weil Richard Arnold ein guter Entertainer ist und nebenbei auch Anekdoten aus der Star Trek Welt zum besten gab.
Gleich danach ging es zum Panel von J.G. Hertzler und Robert O’Reilly, bekannt als die Klingonen Martok und Gowron aus diversen Trek-Serien. Ich hatte zwar schon gehört, dass die Panel von den beiden sehr gut sein sollen, aber ich war auch noch nie ein richtiger Fan der Klingonen und des Mythos drumrum. Was die beiden allerdings auf der Bühne abgezogen haben, war einfach unglaublich und hat alle anderen Panels an dem Tag in den Schatten gestellt. Von Sketchen über Anekdoten bis zu Gesangseinlagen war alles dabei und immer mit perfektem Showmanship aber trotzdem nah am Publikum. Wer irgendwie die Chance hat, sich die beiden irgendwo mal anzuschauen, der sollte es tun - auch nicht-Star Trek Fans!
Nach diesem Panel war erst mal eine längere Pause angesagt, weil im Hauptraum die Autogrammsession für Dauerkarteninhaber lief. Ich sage nur: eine Schlange von vielleicht 2500 Leuten, die sich durch das gesamte Gebäude gezogen hat. Um diese Autogramme hat sich ein richtiger Markt gebildet: ein Autogramm wird scheinbar nicht mehr als Andenken gesehen, sondern als Investition zum weiterverkaufen oder -tauschen. Das zeigte sich auch daran, dass eine Signatur von einem Schauspieler satte 20 Euro kostete, ein Bild mit ihm oder ihr zusammen aber sehr viel weniger oder sogar umsonst zu haben war.
Generell läuft das bei Conventions scheinbar so, dass die Gäste nur die Anreise und die Übernachtung gezahlt bekommen, aber keine Gage. Ausnahmen gibt es wohl nur für Superstars wie Brent Spiner oder Leonard Nimoy. Die Anderen machen ihr Plus dann damit, dass sie Autogramme verkaufen. Deswegen saßen auch viele Gäste fast den ganzen Tag in der ständigen Autogrammstunde. Die war mäßig besucht und bot damit eine ideale Möglichkeit, ein paar Fotos zu schießen und mal wirklich nah an die Leute ranzukommen.
Gegen 17 Uhr machte ich dann noch ein Foto mit Clare Kramer alias Glory aus Buffy. Clare Kramer sieht im echten Leben noch viel besser aus, als in der Serie.
Richtig, richtig schräg wurde es dann um 18:30 beim Kostümwettbewerb. Spätestens als die “Happy-Hippo Star-Wars-Truppe” aufgetreten ist, wurde mir einiges im Trek-Fandom klar. Die gewannen dann auch später den “Robert-O’Reilly-Entertainment-Award”, obwohl ich bezweifle, dass er wirklich verstanden hat, was ein Überraschungsei ist.
Gleich anschließend zeigte Action Concept (ja, das sind die von Cobra 11) eine Stunt-Show, die zwar technisch wirklich eindrucksvoll war, thematisch mit “Mortal Kombat” aber total das Ziel verfehlt hat. Obwohl die Show “seit Oktober speziell für die Fedcon vorbereitet” wurde, kam wohl niemand auf die Idee, vielleicht etwas Sci-Fi-nahes zu realisieren, zum Beispiel einen coolen Laserschwertkampf. Aber naja, was soll man von denen erwarten, das ist wie Cobra 11 et al: Technik hui, Story pfui.
Schon während der Stuntshow füllte sich der Raum bis auf den letzten Platz, weil danach Leonard Nimoy alias Spock dran war. Als der auftrat gab es erst mal minutenlange Standing-Ovations. Den gelungenen Start zerstörte Nimoy allerdings schon nach kurzem, in dem er ein merklich einstudiertes Con-Programm abspulte und schon Sekunden nach den Ovations von getoasteten Muffins sprach. Da hätte ich von einem altgedienten Schlachtross mehr erwartet. Egal: es ist Spock, das reicht.
Allerdings musste ich schon nach 15 Minuten wieder los, weil ich unbedingt das Panel von Stephen Furst besuchen wollte. Dort waren dann weniger als 10 Leute, was ein wirkliches Plus war. Furst erzählte einige Stories von den Dreharbeiten, zeigte einen kurzen Trailer seiner Regieprojekte und beantwortete Fragen. Er sagte auch etwas zum Platzen des geplanten B5-Kinofilms. Scheinbar wollte das Studio, dass alle Hauptpersonen neu besetzt werden sollten, worauf sich JMS weigerte und das ganze Projekt platzen lies. Ist wohl auch besser so, wer will schon einen anderen Londo sehen??
Nach dem Panel war es dann schon 21:30 und ich habe mich auf meinen Sandspeeder geschwungen und bin nach Hause geflogen. Die Con war wirklich sehr witzig und ich werde versuchen im nächsten Jahr wieder da zu sein. Leider zieht die Fedcon in 2006 nach Fulda um, was für mich als Neu-Bonner natürlich ziemlich doof ist, gerade weil die Con jetzt fast 10 Jahre in Bonn war, aber irgendwie wird das schon klappen.
Ach ja, hier sind meine Fotos vom Fedcon XIV zu finden (ca. 150 Stück).





8. Mai 2005 um 13:49
Tach Langohr-Kleini,
falls es Dich interessiert, hier ein Link zum offiziellen Plan des Maritim-Tagungshotels. In den großen Saal passen wirklich über 2800 Menschen rein. Wer hätte denn das gedacht? Ich jedenfalls nicht.
17. Mai 2005 um 15:03
Hallo,
da die FedCon schon längst nicht mehr nur eine Sci-Fi-Convention ist und wir nicht den 100 Lichtschwertkampf zeigen wollten, (von denen ich selbst schon oft genug welche gemacht habe), haben wir uns für das Thema entschieden, was ja auch 99,75% der Conbesucher gefallen hat.
Weiß Bescheid!
Ben
30. September 2007 um 15:45
Hallo,
ich weiss nicht, ob du mir noch helfen kannst,aber ich habe da mal ne´Frage:
Ich gehe bald auf die FedCon 17 . Da ich noch nie auf einer
war ist mir die folgende Frage sehr wichtig: Wird das, was ein
Star auf einem Panel oder wo anders sagt eigentlich übersetzt ??
MfG
Christian
30. September 2007 um 19:48
Nicht wirklich. Ein paar halbwegs gute Englischkenntnisse sind schon vor Vorteil.
6. Juli 2008 um 7:20
Yumm Beer. Found this site using google searching for beer haha. Thanks.