Liebe Bahn,
Ich muss Ihnen mal ein Kompliment aussprechen: der neue Mannheimer Bahnhof ist wirklich toll. Ich kann das beurteilen, denn ich hatte schon mehrmals das Vergnügen, ihn mir genau anzuschauen. Nur die DB-Lounge konnte ich mir noch nicht ansehen, denn dafür fehlen mir leider noch 294 Punkte auf meinem Bahn-Comfort-Konto.
Ich liebe es, mit der Bahn zu fahren. Ich liebe es, dass mir die Bahn soviel Zeit gibt, mir die diversen Immobilien der Bahn in Deutschland so genau anzusehen. Wann hat man denn sonst dazu mal Zeit, wenn nicht dann, wenn der Anschlusszug mal wieder verpasst wurde? Zwar passiert mir das in letzter Zeit bei jeder Bahnreise die ich unternehme, aber ich nehme das als gute Gelegenheit wahr.
Ich liebe es auch, im ICE zu reisen. Ich zahle gerne 2 Euro 70 für den lautstark angepriesenen frisch gebrühten Kaffee, auch wenn an der Thermoskanne ein Zettel mit einem deutlich lesbaren “6 Uhr” hängt. Aber es ist ja auch erst 9 Uhr 30, da ist das nicht so schlimm. Man gibts ja gerne.
Ich finde es klasse, wie das Reservierungssystem für Business-Kunden funktioniert. Ich bekomme zwar fast nie einen Tischplatz für mein Notebook, aber ich habe ja auch erst sieben Tage vorher die Karte besorgt, da bin ich wohl selbst dran schuld. Aber egal, meistens habe ich sowieso keine Lust mehr, was zu arbeiten, wenn ich die 500 Meter bis zum Zugende mit dem ganzen Gepäck gelaufen bin, denn mein Platz ist immer im allerletzten Waggon. Vielleicht sollte ich mal Lotto spielen, was meinen Sie?
Mittlerweile habe ich auch immer eine Mehrfachsteckdose und eine 50-Meter-Kabeltrommel im Gepäck, denn mein Notebook kann leider nicht mehr als drei Stunden ohne Stromanschluss auskommen. Ich muss allerdings schon nach zwei Stunden langsam auf die Suche nach einer Steckdose gehen, weil sonst nicht genug Zeit ist. Ein netter Gag übrigens das mit den Steckdosen: das ist wie Ostern das ganze Jahr über - wer findet die Steckdose als erstes! So bleiben die Fahrgäste die ganze Zeit beschäftigt. Vielen Dank für eine solche Innovation!
In letzter Zeit hole ich mir meine Tickets manchmal auch am Schalter. Und ich möchte wirklich mal von Ihnen wissen, wie sie ihre Mitarbeiter motivieren! Die sind wirklich immer und jederzeit nett, freundlich und humorvoll. Selbst wenn die Schlange schon bis auf die Straße steht, haben Ihre Mitarbeiter immer wieder Zeit für ein kleines Späßchen. Gerade letzte Woche wollte mir einer Ihrer Mitarbeiter ein Ticket mit einer Umsteigezeit von fünf Minuten verkaufen. Wir haben beide so gelacht.
Ich freue mich sowieso immer schon Tage vorher auf eine Bahnfahrt, denn niemals sonst habe ich die Gelegenheit, mir so die Landschaft anzusehen. Ich finde den Service der Bahn da richtig toll: sogar spontane Routenänderungen sind drin. Da geht einem doch richtig das Herz auf, wenn man nicht immer nur das Gleiche sehen muss. Gerade während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich in der Regionalbahn nach Mainz und kann mir nun endlich einmal ausführlich Rheinhessen anschauen. Nun gut, es ist Nacht und eigentlich sieht man nur Schwarz, aber es ist immerhin ein Rheinhessen-Schwarz. Das alles hätte ich nie erlebt, wenn ich den ICE noch bekommen hätte. Außerdem hätte ich dann eine weitere ausführliche Inspektion des Mannheimer Bahnhofs verpasst. Kann es sein, dass sich die Verzierung der Fenster der Verwaltungsbüros im ersten Stock verändert hat? Ist mir so aufgefallen..
So, jetzt muss ich aber wirklich aufhören, denn ich muss noch etwas telefonieren, um meine Termine heute Abend um die 2 Stunden zu verschieben, die ich bei der Bahnhofsbesichtigung und der Rheinhessenrundfahrt verbummelt habe.
Nur noch schnell das: ich kann sagen, dass ich völlig begeistert bin von der Bahn. Ich glaube nicht, dass man irgendwo anders so viel erlebt wie mit Ihnen. Nächste Woche werde ich mal das Flugzeug ausprobieren, um von München nach Köln zu kommen, mal sehen ob die auch so einen tollen Service haben.
In tiefster Verehrung,
Michael Kleinhenz
p.s. Können sie mir einen von diesen tollen Bahn-Pins schicken, damit ich im Flugzeug wenigstens zeigen kann, dass ich stolzer Bahn-Kunde bin? Das wäre toll, dankeschön!





26. März 2005 um 1:36
Hm, komisch, mir passiert sowas fast nie im Zug. Das Prinzip mit den Steckdosen muss man einmal begriffen haben, letztlich ist das jeweils eine Frage des Zugtyps: Je nach ICE-Generation gibt’s entweder keine (z, B. auf der Strecke Stuttgart-Frankfurt-Hamburg), nur an den Tischen (z. B. Berlin-Hannover-Köln) oder aber an jedem Platz (Dresden-Nürnberg-München). Die Bahn-Lounge in Mannheim lohnt übrigens nicht das sehnsüchtige Warten; sie ist genauso wie jede andere auch, eher noch etwas klein und gedrängt im Vergleich zu anderen Lounges. Für eine Limo oder einen Kakao reicht’s aber immer.
Das eigentliche Problem der Deutschen Bahn ist meiner Ansicht nach nicht ihr Service und ihr Zuspätkommen; da habe ich weitestgehend Verständnis dafür. Allerdings völlig unakzeptabel ist die Informationspolitik der Bahn. Als Vielreisender habe ich folgenden Fall nicht nur einmal erlebt: Ich kam gute zwanzig Minuten vor Abfahrt des Zuges beim Bahnhof an, suche mir in aller Ruhe das Gleis heraus und warte auf das Eintreffen. Exakt zwei Minuten vor der fahrplanmäßigen Ankunft heißt es jetzt plötzlich “60 Minuten Verspätung”. Während ich noch versuche, genauere Informationen zu erhalten werden aus den 60 Minuten tröpfchenweise erst 90 Minuten und dann, die Krönung jedes Warteaufenthaltes, “unbestimmte Verspätung”.
Genau der gleiche Effekt bei der Rückfahrt von der CeBIT: Ich bin pünktlich am Bahnsteig, der Zug hat erst 5, dann 10, dann 15, dann 20 MInuten Verspätung. Wir fahren mit 26 Minuten Verspätung tatsächlich ab und ich habe wieder mal eine leichte Erkältung vom Warten auf dem zugigen Bahnsteig. Was verleitet die Bahn eigentlich dazu, die Informationen so kleckerweise herauszugeben? In den meisten Bahnhöfen kann man mittlerweile gut 15 MInuten sinnvoll verbringen, bei Verspätungen um die 30 Minuten setze ich mich auch gerne in ein Cafe, aber bitte nicht dieses Zermürbende Warten auf Bahnsteigen.
3. April 2005 um 18:32
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15. April 2005 um 19:57
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