Krieg der Welten
Früher hat Steven Spielberg wirklich bemerkenswerte Filme gemacht. Abgesehen von Schindlers Liste, der innerhalb des Spielberg’schen Repertoires etwas aus der Rolle fällt, war er bei wundervollen “hollywood-esquen” Filmen wie “Zurück in die Zukunft”, “E.T.” oder der “Indiana Jones”-Serie beteiligt. Was er sich allerdings bei “Krieg der Welten” gedacht hat kann man nur mutmaßen: eine irrelevante Soap-Story ohne wirklichen Tiefgang gepaart mit einer hahnebüchenen Sci-Fi-Backstory und einem Tom Cruise der wohl einmal zuviel von Scientology gebrainwashed wurde und versucht, dem Zuschauer seine Emotionslosigkeit als Entsetzen zu verkaufen.
Zur Geschichte: Ray Ferrier ist Dockarbeiter und überforderter Vater. Seine Frau hat sich von ihm getrennt und so bekommt er die gemeinsamen Kinder nur gelegentlich zu sehen. An einem Wochenende ist es wieder soweit: seine Frau Mary Ann fährt auf einen Besuch nach Boston und Ray hat die Kinder am Hals. So gerne er beim rebellischen Teenie-Sohn landen würde – mehr als ein paar Worte werden zwischen Vater und Sohn nicht gewechselt. Die Situation verschärft sich weiter als plötzlich seltsame Blitze vom Himmel kommen und vor einer Kirche nur ein paar Straßen weiter einschlagen. Als Ray nach dem “Gewitter” draußen nach dem Rechten sieht, bricht eine riesige dreibeinige Kampfmaschine aus dem Erdboden und macht alles platt was sich bewegt. Vater, Sohn und Tochter fliehen daraufhin mit dem einzig verbliebenen funktionierenden Auto um nach Boston zu kommen.
Im weiteren Verlauf teilt sich der Film in zwei Hälften auf: in der ersten Hälfte bekommt der Zuschauer einen bombastischen Action-Kracher mit einer extremen Materialschlacht zu sehen, in der zweiten Hälfte setzt Spielberg auf Suspense und Ray trifft u.a. auf einen etwas irren Harlan Ogilvy (weit unter seinen Möglichkeiten dargestellt durch Tim Robbins). Am Ende gibt es ein hollywoodtypisches Happy-End, bei dem fast alle Fragen offen bleiben. Ein Off-Sprecher erklärt das abrupte Ende der Aliens und der Film ist zuende.
Ich kritisiere nicht, dass “Krieg der Welten” keine weitere ID4-Inkarnation ist. Im Gegenteil: eine derartige Alien-Invasion einmal aus der Sicht der “Leute auf der Straße” zu zeigen ist sicherlich reizvoll. Allerdings ging der Versuch Spielbergs, eine Familiengeschichte und eine Geschichte über Verantwortung und Mut mit dem Hintergrund einer Sci-Fi-Story zu erzählen gründlich schief. Ok, die Materialschlacht in der ersten Hälfte ist sehenswert, aber der Trend Hollywoods auf kurzweilige Spezialeffekte zu setzen statt auf eine durchdachte und in sich logische Story geht auch in diesem Film weiter. Zudem hat Spielberg mit Tom Cruise einen Schauspieler gefunden, der über Soap-TV-Niveau nicht hinauskommt. Die einzig überzeugende Darstellung gibt Dakota Fanning in der Rolle der 10-jährigen Tochter ab, die Cruise locker an die Wand spielt.
Alles in allem ein irrelevanter Film ohne Ende (nicht wie üblich mit schlechtem Ende sondern eben mit überhaupt keinem Ende – irgendwann kommt einfach der Abspann). H.G. Wells wird sich im Grabe rumdrehen. Meine Empfehlung: schaut euch lieber den sehr unterschätzten “The Time Machine” an.








