Star Trek – Nemesis: “Was für ein Scheiss”
Sorry, aber ein so hartes Urteil muss leider über das neue Star Trek Abenteuer gesprochen werden. Eine Schande für einen 10. Trek-Film so einen Müll abzuliefern. Rick Berman versteht nicht, warum der Film ein Flop wurde? Ich schon! Vielleicht sollte Mr. Berman den Film mal in geistig wachem Zustand ansehen!
Ich gebe hier kurz mein “Erlebnis” von Nemesis zum besten:
Minute 5
Wahrhaft ein guter Einstieg, eine furiose Eingangsequenz macht jede Menge Appetit auf mehr.
Minute 10
Aha, der obligatorische Schmalz-Kram: Troi und Riker heiraten und Picard schwingt eine Rede. Doch halt: es kündigen sich erste Verstimmungen an…was ist mit Picard los? Er redet wie auf Droge, überfreundlich und mit Kalauern geschwängerte Worthülsen dreschend klopft er seiner Nummer Eins auf die Schulter “Make it so!”. Nun gut, es wird hoffentlich noch besser…
Minute 20
Picard rast mit einem Jeep und einem Grinsen im Gesicht über Sanddünen und legt extreme Stunts mit der Karre hin..man hat irgendwie das Gefühl, das das nicht unser Picard ist, den wir aus 178 Folgen TNG kennen, der immer besonnen und vorrausschauend agiert und Risiken abwägt. Hier trampelt er durch den Film als wäre er in den Wechseljahren! Es wird hoffentlich noch besser..
Minute 30
Nun haben wir endlich den Oberböswicht von ST10 kennengelernt. Ein theatralische Auftritt, aber einigermassen gut gemacht, obwohl sich die Mimik von Shinzon alias Tom Hardy auf etwa 3 bis 4 verschiedene Grimassen einschränken lässt. Er ist scharf auf Troy, ok, wer ist das nicht? Habe ich die überflüssige Nebenstory mit Data erwähnt? Data findet auf einem Planeten (ja, genau: der mit den Dünen und Picard in den Wechseljahren) vertreute Einzelteile eines unbekannten Bruders, offensichtlich einem Prototypen, der “Bevor”, bzw. B-4 genannt wird. Nicht nur dass B-4 vorher in den diversen “Dr. Soong”-Episoden mit keinem Wort erwähnt wird, es wird im Verlauf des Films auch nicht klar woher B-4 überhaupt kommt. Warscheinlich vom Himmel gefallen, so wie die meisten Ideen dieses Films dem Drehbuchautoren John Logan wohl hart die Rübe demoliert haben müssen (beim Runterfallen). Ob es jetzt besser wird?
Minute 40
Dummes sinnloses Gelabere auf dem Niveau von schlechten Schultheateraufführungen. Kein Vergleich mehr zu früheren Klassikern, wie dem leichten Tischgespräch in ST6 (“Shakespeare muss man im klingonischen Original gelesen haben!”). Mittlerweile frage ich mich, ob es noch schlimmer wird. Weder wird klar, wie Shinzon es geschafft hat, sich aus der Sklaverei zu befreien, noch, wie er seine Armee zusammenstellen konnte, wo doch Remus unter der Gewaltherrschaft der Romulaner steht. Sind die einfach irgendwann mal morgends aufgewacht und haben gesagt: “Ach, lassen wir den doch mal ran”?? Woher das hypermoderne, mit allen Schikanen ausgerüstete Neubau-Schiff von Shinzon kommt, wird ebenso verschwiegen wie die Herkunft der ominösen Strahlung, die alles Leben vernichtet. Logiklöcher so gross wie LKWs, ach was, wie ganze Raumschiffe der Galaxy-Klasse auf Trek5-Niveau (“Wozu braucht Gott ein Raumschiff?”).
Minute 60
Albernheiten, wohin man sieht: Actionsequenzen, auf die derart “künstlich” hingearbeitet wird, dass einem das blanke Grausen packt: Picard und Data fliegen mit einem feindlichen Gleiter durch die Gänge(!) des feinlichen Mutterschiffs. Zum Glück haben die Jungs die Gänge breit genug gebaut, puh! Und bis zur grossen Glaskuppel sinds auch nur ein paar Meter, das war ja einfach! Ich frage mich, ob ich im falschen Film bin, so einen Mist bin ich von Trek nicht gewöhnt. Selbst Star Trek 5 (der Film, der “Am Rande des Universums” hies, obwohl in der Handlung ins Zentrum des Universums geflogen wurde, ha ha) sieht neben diesem Machwerk wie eine Kenneth-Branagh-Literaturverfilmung aus. Und ich fürchte es wird noch schlimmer..
Minute 90
Von der überflüssigen, aufgesetzten Story mit B-4, der aus fadenscheinigen Gründen eine Kopie von Datas Gedächtnisinhalt bekommt, will ich gar nicht reden. Data-Stories habe ich seit dem Gefühlschip unter “absolut schwachsinnig” abgelegt. Noch mehr Logiklöcher (in bekannter Grösse), eine weitere unsinnige Action-Sequenz, damit die F/X-Leute auch etwas Geld abbekommen und ein Data der von der Enterprise auf das fremde Schiff springt(!). Ich konnte kaum ein Lachen verkneifen. Man hat ständig das Gefühl, Logan hätte am Anfang des Skriptes ein paar einzelne Sequenzen im Kopf gehabt (“Mord im Senat”, Begegnung mit dem Nemesis”, “Crash” und “Datas Sprung”) und dann versucht, diese zu einer Story zu verknüpfen, was dann in diesem haarsträubenden Drehbuch geendet hat.
Minute 120
Das grösste Logikloch kam aber noch: Datas Tod. Warum zum Henker quatscht Picard erst mal noch minutenlang mit dem tödlich verwundeten Shinzon, anstatt den Countdown zu stoppen? Warum schaltet Data den Todesstrahl nicht einfach ab? Warum dreht er das Schiff nicht einfach? Warum explodiert das Schiff, wenn der Strahl unterbrochen wird? Alles Fragen, auf die es nie eine Antwort geben wird.
Nach mehreren verkorksten Data-Stories, muss man ja eigendlich fast froh sein, dass dieser Quell der Trivialität endlich von Bord ist, nur leider lebt Data in B-4 weiter wegen dem unerklärten “wir-brauchen-noch-ein-Backup-Hirntransfer” vom Anfang, in Star Trek 2 hat Spock sowas sehr(!) viel subtiler und besser hinbekommen). Es bleibt also zu befürchten, dass B-4 in kommenden Abenteuern noch debilere Storys verursachen wird…nur dann ohne mich!
Traurig an der ganzen Sache ist, dass Nemesis abgesehen von den Spezialeffekten und der Ausstattung deutlich schlechter ist, als 80-90% der Serienfolgen. Rick Berman sollte man darüber nachdenken, was da falsch läuft. Schon bei “Insurrection” hatte ich das starke Gefühl, dass das kein Star Trek mehr ist, sondern eine billige Kopie auf Fanfilm-Niveau. Brent Spiner hat übrigends grossen Anteil an der Story gehabt…wenn man den Bock zum Gärtner macht, nunja, für mich bleibt der beste Star Trek Kinofilm der sechste Teil “The Undiscovered Country”, ein episches Abenteuer mit Abschluss-Charakter. An dieser Stelle hätte man die Filme einfach einstellen sollen, anstatt erst dann damit aufzuhören, wenn keine Sau mehr den Mist sehen will, den Berman heutzutage verzapft…aber in einer Welt in der sich Filme wie “Ey Mann wo ist mein Auto” tatsächlich lohnen, ist das wohl nicht möglich..








