Ham’se Payback?

fahndungsplakat.jpgDiese Frage wird nun standardmäßig im Supermarkt gestellt. Das ist mir gestern mal wieder aufgefallen, als man mich schon fast ungläubig anglotzte, als ich nein sagte. Ich finde es schon erschreckend, wie nachlässig Leute mit dem Datenschutz umgehen. Aber was solls, “ich habe ja nix zu verbergen”. Ein netter Spruch, aber leider totaler Bullshit. Denn das Problem sind tatsächlich nicht einzelne Datenbanken mit vereinzelten Fakten, sondern die Gefahr liegt in der Vernetzung und der Korrelation der Informationen. Schauen wir uns doch Payback mal genauer an:

In den AGBs steht folgender Absatz:

Nur wenn Sie bei der Anmeldung Ihre diesbezügliche Einwilligung erteilt haben, nutzt Loyalty Partner die Basisdaten, freiwilligen Angaben und gemeldeten Rabattdaten zu Zwecken der Marktforschung sowie zur individuellen Erstellung und Versendung ausgewählter Informationen per Post, des PAYBACK E-Mail Newsletter sowie von SMS (Werbung).

Im Klartext hat also Loyalty Partners vollen Zugang zu allen Daten, die bei der Benutzung der Payback-Karte anfallen. Alle Käufe, alle Umsätze, einfach alles. Loyalty Partners weiss jetzt, welche Zahnpasta man benutzt und wieviel Klopapier man so braucht. Diese Daten werden auch genutzt, wie der der Halbsatz “zu Zwecken der Marktforschung” offensichtlich macht. Aber es kommt noch besser:

Daneben kann das Partnerunternehmen, von dem Sie Ihre PAYBACK Karte erhalten haben, Ihre Basis- und dort anfallenden Rabattdaten sowie Ihre freiwilligen Angaben zu eigenen Zwecken der Marktforschung und der Versendung von Informationen per Post nutzen.

Das bedeutet, dass Kaufhof, dm, real (oder von welchem Lizenznehmer die Karte auch ist) ebenfalls vollen Zugriff auf alle Daten haben. Welche Zahnpasta, wieviel Klopapier etc pp.

Gut, warum ist das jetzt ein Problem? Ganz einfach: hinter Payback stehen einige große Unternehmen: Metro, Roland Berger (mein ganz spezieller Freund), Palamon Capital Partners und andere. Diese Unternehmen sind wiederum mit anderen Unternehmen verwoben: Banken, Versicherungen, Immobilien, Handel, Industrie. Kurzum: mit Payback liefert man allen diesen Leuten ein perfektes Personenprofil, komplett mit Finanzdaten, Verhaltensmustern, bevorzugter Alkoholmarke (und Menge des Konsums) usw. Da kann man auch gleich seine Bankauszüge und Monatsquittungen eintüten, “Roland Berger” auf den Umschlag kritzeln und in den nächsten Briefkasten werfen.

Aber weiter im Text: Vernetzung. Natürlich sind nicht nur diese Unternehmen verwoben, sondern auch deren Datenbanken. Da wird dann lustig drauflos korrelliert und Datamining betrieben. Ah, der Herr Meier kauft in den letzten Monaten immer mehr Zigaretten…mmh..da erhöhen wir mal besser seine Krankenversicherungsbeiträge. Oh, und die Frau Müller kauft in letzter Zeit nur noch Billigmarken…ui ui ui, da setzen wir doch lieber mal den Kreditwürdigkeitsstatus runter. Mit dem neuen Finanzkauf-Fernseher wirds dann nix. Das sind keine Horrorszenarien, sondern das ist die technisch machbare Realität. Und wie ich immer wieder gerne erwähne: was technisch möglich ist, wird auch irgendwann gemacht. Siehe Maut.

Dafür, dass man sich sozusagen datentechnisch nackig macht gibts dann noch jede Menge E-Mail-Spam, Altpapier im Postkasten und telefonische Belästigungen dazu. Gratis. Und das alles für ein winziges Prozent Rabatt beim Supermarkt.

Ham’se Payback?

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